Nachdem ich im ersten Teil zur vegetarischen Ernährung gezeigt habe, dass pflanzenfressende Wiederkäuer ihre Energie aus den Pflanzen nur wegen ihres mit Mikroorganismen besiedelten Magens ziehen können, wende ich mich heute den Primaten zu.
Es gibt natürlich viele verschiedene Primaten, die alle ihre eigenen Ernährungsgewohnheiten haben. Speziell die Menschenaffen, zu denen die Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans gehören, sind in Hinblick auf die später noch zu diskutierende Stellung des Menschen zur vegetarischen Ernährung wichtig. Es ist bekannt, dass Schimpansen neben pflanzlicher Nahrung durchaus auch Fleisch fressen. In Rudeln sind sie in der Lage, kleinere Primatenarten zu jagen. Sie sind damit typische Allesfresser. Gorillas und Orang-Utans nehmen hingegen einen großen Teil der Nahrung in Form von Pflanzen zu sich. Die Orang-Utans bevorzugen dabei einen höheren Fruchtanteil, Gorillas einen höheren Blätteranteil. Doch auch diese Primaten verschmähen nicht Insekten und kleinere Beutetiere. Insgesamt sind jedoch alle Menschenaffenarten in der Lage, mit recht unterschiedlichem Nahrungsangebot zurechtzukommen (Blumenthal et al., 2012).
Alle drei Arten besitzen z.T. anschauliche Eckzähne, wobei die Tatsache, dass diese z.B. bei Gorilla-Männchen deutlich größer sind als bei Weibchen, darauf hindeutet, dass sie nicht wegen der Nahrungsaufnahme so groß sind, sondern für Droh- und Imponiergehabe dienen. Die Kieferform dieser Menschenaffen lässt wenige Rückschlüsse darauf zu, ob sie eher für pflanzliche oder tierische Nahrung geeignet ist. Betrachtet man den Darm, so fällt auf, dass alle Menschenaffen einen prozentual kleineren Dünndarm und größeren Dickdarm als der Mensch besitzen. Da im Dickdarm die Fermentation pflanzlicher Nahrung stattfindet, lässt dies vermuten, dass der Darm der Menschenaffen eher für die Verdauung von pflanzlicher Nahrung, als die Verdauung tierischer Nahrung geeignet ist (Billings, 1999). Die Dickdarmlänge bei den Menschenaffen steht daher in direktem Zusammenhang mit dem Anteil pflanzlicher Nahrung. Im Prinzip sind Menschenaffen in der Lage, sich dem Nahrungsangebot anzupassen. Der Verdauungsapparat der Menschenaffen ist dafür geeignet, einen großen Teil der Energie aus pflanzlicher Nahrung zu ziehen. Je nach Verfügbarkeit kann die Nahrungszusammensetzung jedoch stark variieren, so daß diese Primaten potentielle Allesfresser, meist jedoch Pflanzenfresser (=Vegetarier) sind.
Im nächsten Teil zur vegetarischen Ernährung erkläre ich, ob Menschen zum Vegetarier taugen. Dr. Jens Pohl Autor: Jens

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