Diese auf den ersten Blick sinnlose Frage ist gar nicht so sinnlos, wie man denken mag.

Zwar sind Kühe der Inbegriff von Pflanzenfressern, aber wichtig ist nicht, was oben rein kommt, sondern was unten raus kommt. Oder genauer gesagt, was oben gefressen wird, und was vom Körper aufgenommen wird.
Dieser Artikel leitet eine Serie zur vegetarischen Ernährung ein, wobei am Ende dann die Frage geklärt werden soll, ob Menschen zum Vegetarier taugen. Doch zuerst einmal zu den Kühen.

Dass Kühe Pflanzen fressen ist klar.

Um zu klären, was die normale Nahrung eines Säugetiers ist (und dazu gehören auch die Menschen), muss man sich den Fressapparat (Kiefer und Zähne) und den Verdauungsapparat (Magen und Darm) ansehen. Diese anatomischen Gegebenheiten zeigen, zu welcher Art Nahrung ein Säuger von Natur aus „geeignet“ ist.

Pflanzen dienen den Pflanzenfressern primär als Quelle für Proteine und Kohlenhydrate, im geringeren Maß auch als Fettquelle.

Neben den Pflanzen nehmen Pflanzenfresser absichtlich oder unabsichtlich durchaus signifikante Mengen an Insekten als Proteinlieferanten auf (Billings, 1999). Um an die Kohlenhydrate und Proteine der Pflanzen zu gelangen, haben Kühe (als Prototyp der Pflanzenfresser) anatomische Besonderheiten, die sie von fleischfressenden Säugern unterscheiden. Zuerst einmal besitzen sie eine komplett andere Zahn-und Kieferstruktur, die es ihnen erlaubt, die harten Pflanzenteile deutlich besser zu zerkleinern, als es Fleischfresser in der Lage sind. Dann besitzen Sie auch den typischen mehrteiligen Wiederkäuermagen, in dem die zuerst nur grobzerkleinerte Nahrung gelangt. Dort befinden sich Bakterien, Einzeller und Pilze, die die im Nahrungsbrei enthaltenen, für andere Tierarten unverdaulichen, Kohlenhydrate wie Zellulose aufzuschließen. Der fermentierte Nahrungsbrei wird dann in Ruhephasen der Tiere hochgewürgt, weiter zerkaut und erst dann im Darm endgültig verdaut. Bei der Fermentation durch Einzeller freiwerdende Gase wie Methan (Zeitz et al., 2013) werden durch Rülpsen freigesetzt.

Im Gegensatz zu nicht-wiederkäuenden Pflanzenfressern, sind die Bakterien bei Kühen in der Lage, alle Aminosäuren aus der Nahrung herzustellen, so dass Wiederkäuer ohne zu gefütterte Aminosäuren auskommen können. Ein wesentlicher Anteil der aufgeschlossenen Kohlenhydrate wird im Pansen durch die Bakterien in kurzkettige Fettsäuren (engl. short-chain fatty acids, SCFA) umgewandelt und durch die Pansenwand aufgenommen. Je höher der Anteil an stärkehaltigen Bestandteilen in der Nahrung vorliegt, desto höher ist der von der Kuh aufgenommene Fettanteil (Penner et al., 2011). Das ist auch das Prinzip bei der Mästung mittels Silage. Das stärkehaltige Pflanzenmaterial, das oft auf Mais basiert, wird durch Milchsäurebakterien vorfermentiert, ist daher schneller zu verwerten.

Den einen oder anderen wird es eventuell verwundern, aber ich würde Kühe als „Fettfresser“ bezeichnen, da durch die Symbiose mit den Darmbakterien ein großer Anteil der aus den Pflanzen aufgenommenen Energie in Fett umgewandelt und aufgenommen wird. Von der Natur sind sie so ausgestattet, dass sie Dank ihrer Darmbakterien aus weitgehend pflanzlicher Nahrung alle für den Protein und Fettstoffwechsel notwendigen Bausteine erhalten.

Im nächsten Blog geht es dann darum, ob die uns nahe stehenden Primaten Vegetarier sind.

Ich könnt ja schon einmal raten, zu welchem Ergebnis ich da komme.

Dr. Jens Pohl Autor: Jens
Bildquelle: © Problemkind – flickr.com