Diabetes Typ 2 ist eine sich mittlerweile flächenbrandartig verbreitende chronische Erkrankung, bei der man einen erhöhten Blutzuckerspiegel vorfindet. Dieser erhöhte Blutzuckerspiegel wird u.a. dadurch verursacht, der die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin herstellen kann. Das Insulin ist dafür verantwortlich, dass die Zellen die Glukose auf dem Blut aufnehmen können, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder sinkt.

Das Gehirn bevorzugt den Einfachzucker Glukose als Nährstoff, wir können aber durchaus alternativ auch Ketonkörper, die aus Fett stammen, als Energiequelle nutzen. Unser Körper ist bemüht, den Blutzuckerspiegel im Bereich von 70-99 mg/dl (entspricht 3,9-5,5 mmol/l) zu halten, um die Versorgung mit Energie zu gewährleisten. Diese Konzentration entspricht ungefähr der Menge von 2 Teelöffeln Zucker in unserem ganzen Blut verteilt (Wassermann, 2008).

Diabetes wird diagnostiziert, wenn der Nüchternblutzucker (Fasting Plasma Glucose oder FPG) über 126 mg/dl liegt. In den letzten Jahren wurde dieser Schwellenwert, ab dem man Diabetes diagnostiziert, schrittweise von ≥150mg/dl auf ≥126 mg/dl reduziert. Kritiker der Pharmaindustrie sind der Meinung, dies sei geschehen, um mehr Personen mit Medikamenten zu versorgen. Die offizielle Begründung sind jedoch Studien, die zeigten, dass je höher die konstanten Glukosewerte sind, die Spätfolgen gravierender sind, die durch hohe Blutzuckerspiegel ausgelöst werden. Bei Diabetikern wird der Blutzucker regelmäßig gemessen, um die lebensbedrohliche Unterzuckerung und dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte zu vermeiden. Langfristig führen konstant hohe Blutzuckerspiegel zu Schäden an Nerven, Nieren und Augen. Häufig treten auch Schäden an den Blutgefäßen auf. Bei Nüchternblutzucker-Werten über 126 mg/dl wird medikamentös eingegriffen, durch Gaben von Metformin oder Insulin, um den Blutzucker wieder zu senken.

Vor der Schwelle von 126 mg/dl Blutzucker, ab der man Diabetes diagnostiziert und behandelt, liegt ein Bereich von  ≥100 bis <126 mg/dl (5,6-6,9 mmol/l), den man als Prädiabetes bezeichnet (Tabak et al., 2012). Nüchternblutzucker-Werte  <100 mg/dl werden als normal angesehen, wobei es aber sogar Empfehlungen gibt, dass der Nüchternblutzucker unter 84 mg/dl liegen sollte (Schulze et al., 2010). Neben den veränderten Blutwerten gibt es auch andere Warnzeichen, die auf Prädiabetes hindeuten, wie häufiges Durstgefühl, Schwitzen und Übergewicht. In diesen Fällen ist es ratsam, vom Arzt den Nüchternblutzucker zu überprüfen. Es stellt sich nun die Frage, was man machen kann und soll, wenn die eigenen Blutzuckerwerte im Bereich des Prädiabetes liegen.  Unsere Empfehlung ist es, nach der Diagnose Prädiabetes auf jeden Fall aktiv zu werden und nicht zu warten, bis die Werte langsam die Schwelle von Diabetes überschreiten und man mit Medikamenten behandelt wird.  Anzeichen von Prädiabetes sollten als Warnzeichen gesehen werden, um rechtzeitig wieder normale Blutzuckerspiegel zu erreichen und damit das Risiko für eine Diabetes-Erkrankung zu reduzieren (Perreault et al., 2012). Aus Prädiabetes muss sich nicht Diabetes entwickeln. Man kann nämlich das endgültige Ausbrechen von Diabetes Typ 2 z.B. durch entsprechende Ernährungs- und Bewegungsprogramme verhindern (Pour and Dagogo-Jack, 2011; Gillett et al., 2012). Ziel eines jeden Programms ist zu diesem Zeitpunkt die Rettung der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren (DeFronzo and Abdul-Ghani, 2011).

Der Nüchternblutzucker ist nicht der einzige Wert, der sich bei einer Entwicklung von Diabetes erhöht. Es existieren andere Messmethoden, die weitere Parameter messen (Borai et al., 2011). Es mag zwar von diagnostischem Wert sein, ob alle Werte erhöht sind, bevor man offiziell als Diabetiker gilt. Man kann aber auch die Ansicht vertreten, dass jeder einzelne dieser Werte, wenn er erhöht ist, als Warnzeichen gedeutet werden kann und man dann seine Lebensgewohnheiten entsprechend ändern sollte, um keine Diabetes-Krankheit zu entwickeln. Eine gestörte Glukosetoleranz (Impaired Glucose Tolerance, IGT) besagt, dass der Körper es nicht schafft, innerhalb von 2 Stunden nach Gabe einer definierten Zuckermenge (Oraler Glukosetoleranztest, oGTT), den Blutzuckerspiegel wieder in einen Bereich von 140 bis 199 mg/dl einzuregeln. Ab 200 mg/dl ist auch hier wieder die Schwelle zum Diabetes überschritten (Malkani and Mordes, 2011). Der aktuelle Blutzuckerwert liefert jedoch immer nur eine Momentaufnahme und hängt von der Tagesform ab. Ergänzend wird heute daher auch der HbA1c-Wert ermittelt (Lyons and Basu, 2012, Makris and Spanou, 2012) der annähernd ein Bild des Blutzuckerspiegels über die letzten Wochen gibt. Gemessen wird dabei die Menge an Zucker, der sich an eine spezielle Untereinheit des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) in den roten Blutkörperchen angelagert hat. Je höher über längere Zeit der Blutzuckerspiegel ist, desto höher ist auch die Verzuckerung des Hämoglobins und damit der HbA1c-Wert. Angeben wird der HbA1c-Wert als Prozentsatz des Gesamthämoglobins. In 2010 veröffentlichte die American Diabetes Association (ADA) neue Kriterien für die Diagnose von Diabetes. Als Grenzwert für Diabetes wird dabei ein HbA1c-Wert von 6,5% des gesehen. Bei Prädiabetes liegt der Wert ≥5,7 bis <6,5%. Nicht alle Personen, bei denen die oben erwähnten Werte vorliegen, entwickeln zwangsläufig Diabetes. Das Risiko ist jedoch deutlich erhöht und auch der Blutzucker, die im Bereich des Prädiabetes vorliegt, schädigt langfristig verschiedene Gewebe und sollte reduziert werden. Und es hat sich gezeigt, dass neben Bewegung besonders eine Gewichtsreduktion signifikant zur Vermeidung der Entwicklung von Diabetes betragen kann (Crandall et al., 2008).

Neben dem Nüchternblutzucker sollte daher auch der HbA1c-Wert bei übergewichtigen Personen kontrolliert werden, damit man durch eine Veränderung des Lebensstils gegebenenfalls den Ausbruch von Diabetes verhindern kann.

Dr. Jens Pohl Autor: Jens

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