Wer in kurzer Zeit viel Gewicht verliert, hat oft das Problem, dass die Haut und das Bindegewebe nicht im gleichen Tempo zurückgebildet werden, wie die Fettdepots. Dies führt immer wieder zu großen Hautfalten (z.b. einer Fettschürze), die im Extremfall durch aufwändige chirurgische Eingriffe entfernt werden. Wie kann man solche Operationen vermeiden helfen? Wenn man einen größeren Gewichtsverlust plant, sollte man etwas geduldiger sein, und den Zeitrahmen nicht zu eng setzen. 30 kg innerhalb eines Jahres abzunehmen ist bestimmt einfacher und für die Haut und das Bindegewebe besser, als dasselbe Gewicht innerhalb eines halben Jahres zu verlieren. Je mehr Zeit man dem Gewebe gibt, sich koordiniert zurückzubilden, desto besser für das Gewebe.

Während des Abnahmeprozesses kann man jedoch zusätzlich unterstützend eingreifen. Zum einen ist eine auf das Körpergewicht angepasste Unterstützung durch Bewegung sinnvoll. Je höher das Körpergewicht zum Beginn ist, desto vorsichtiger muss man jedoch sein, um sich nicht eher zu schaden, als zu nutzen. Schwimmen, Wassergymnastik oder Radfahren sind dabei noch die Gelenk-schonendsten Methoden. Durch die Bewegung hilft man dem Gewebe, die Abbauprodukte besser durch die Blutzirkulation zur Leber und den Nieren zu transportieren. Es kann auch helfen, während einer Abnahmephase die Trinkmenge zu erhöhen, damit die Abbaubauprodukte des Fettes besser gelöst und abgeführt werden. Da sich im Körperfett auch fettlösliche Giftstoffe einlagern, werden diese durch den Fettabbau wieder freigesetzt und gelangen in den Blutkreislauf. Auch hierfür ist eine erhöhte Trinkmenge sinnvoll, um die Giftstoffe quasi besser zu verdünnen. Eine Reihe von wissenschaftlichen Publikation legt nahe, dass man durch die Verwendung von Vitamin C von außen die Haut und von innen das Bindegewebe kräftigen kann. Die Funktion als Radikalfänger wird bei der Neutralisation der Giftstoffe wahrscheinlich auch helfen (De Tullio, 2012).

Bereits seit über 250 Jahren ist die Wirkung von Vitamin C auf das Bindegewebe bekannt, wenn man damals auch noch nicht wusste, warum das so ist. In der Mitte der 1700-Jahre konnten schottische Schiffsärzte die Krankheit Skorbut mit Zitrusfrüchten heilen und vermeiden. Bei Skorbut kommt es u.a. zu Bindegewebsproblemen und die Wundheilung ist eingeschränkt. Heute weiß man, dass hierfür ein Mangel an Vitamin C verantwortlich ist (Parsons et al., 2006). Bei der Synthese von Kollagenfasern gibt es zwei Schritte: Zuerst werden die Kollagenpeptide synthetisiert, dann werden die Prolylreste im Kollagen hydroxyliert. Durch die hydroxylierten Prolylreste werden die Kollagenfasern miteinander verbunden, wodurch das Bindegewebe fester wird (Boyera et al., 1998). Die Hydroxylierung ist dabei Vitamin C (Ascorbinsäure) abhängig. Das verantwortliche Enzym, Prolyl-Hydroxylase, benötigt dazu einen aktiven Eisen-Sauerstoffkomplex, Ferritin, und Vitamin C ist notwendig, damit das bei der Reaktion entstehende Fe3+ reduziert wird (Peterkofsky, 1991). Da während des Abnahmprozesses auch die Kollagenfasern neustrukturiert werden, ist für diesen Vorgang Vitamin C, sowie Ferritin notwendig.

Nun hat sich gezeigt, daß stark übergewichtige Personen oft ein erhöhtes Niveau von CRP (C-reaktivem Protein) haben (Devaraj et al., 2009). Dies zeigt einen Mangel an verfügbarem Vitamin C an, da man durch Vitamin C den CRP-Spiegel senken kann. Auch der Ferritin-Spiegel ist bei stark übergewichtigen Personen oft zu niedrig. Interessanterweise kann jedoch auch ein hoher Ferritin-Spiegel auf eine Unterversorgung mit verfügbarem Ferritin hinweisen (Zafon et al, 2010). Zu Beginn eines Abnahmeprogramms ist es also sinnvoll, seinen CRP-Wert und die Ferritin-Speicher überprüfen zu lassen, damit gegebenenfalls ergänzt werden kann, damit die Neustrukturierung des Bindegewebes optimal verlaufen kann.

Neben dieser Wirkung auf Kollagenfasern des Bindegewebes hat Vitamin C auch einen schützenden Effekt auf Hautzellen (Schlotmann et al., 2001; Duarte et al., 2009). Hautbindegewebszellen sind die Hauptquelle für extrazelluläre Bindegewebsmatrix, eine Art ein Kleber, der die Hautzellen zusammenhält. In Begleitung zur Einnahme von Vitamin C macht es durchaus Sinn, auch die Haut von außen entsprechend mit Vitamin C in Form von Cremes zu unterstützen, damit sie fester wird.

Dr. Jens Pohl Autor: Jens

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