Vegetarische Kost enthält kein Fleisch, Geflügel oder Fisch. Vegane Ernährung verzichtet auch noch auf Milchprodukte und Eier. Was die Inhaltsstoffe betrifft, enthält die vegetarische Ernährung häufig relativ viele Kohlenhydrate, Omega-6 Fettsäuren, Ballaststoffe, Karotinoide, Folsäure, Magnesium, Vitamin C und E, aber wenig Protein, gesättigte Fettsäuren, langkettige Omega—3 Fettsäuren, Retinol, Vitamin B12 und Zink. Im Durchschnitt haben Vegetarier und Veganer einen vergleichsweise niedrigen BMI und niedrige Cholesterinspiegel (Key et al., 2006). Veganer sind im Vergleich zu Vegetariern durchschnittlich noch schlanker, haben noch geringere Cholesterinspiegel und haben einen geringeren Blutdruck, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Vegetarier und Veganer haben jedoch häufig höhere Homocysteinspiegel, was wahrscheinlich teilweise auf den häufigen Vitamin B12 Mangel zurückzuführen ist. Veganern haben zudem ein höheres Risiko an wesentlichen Nährstoffen unterversorgt zu sein und zeigen oft einen Vitamin D und Zink Mangel. Diese sollten daher entweder Nahrung zu sich nehmen, die mit Mikronährstoffen angereichert ist oder gegebenenfalls Nahrungsmittelergänzung in Betracht ziehen (Craig, 2009). Vergleichsstudien haben gezeigt, dass Vegetarier ein etwas geringeres Risiko für Herzerkrankungen, aber ansonsten so gut wie keinen Unterschied in anderen Todesursachen im Vergleich zu gesundheitsbewussten nicht-Vegetariern haben. Es gibt Tendenzen, dass eine nur gering fleischhaltige Diät sich positiv auswirkt, und somit die Risiken der Unterversorgung von Vegetariern im Vergleich zur „Überversorgung“ von nicht-Vegetariern ausgleicht (Singh et al., 2003), aber im Großen und Ganzen hat sich gezeigt, dass in der westlichen Welt der Gesundheitszustand von Vegetariern dem von nicht Vegetariern vergleichbar ist.

Was können wir aus diesen Daten herauslesen? Zum einen scheint der Verzicht auf Fleisch nicht uneingeschränkt positiv zu sein, da die dem Fleischkonsum nachgesagten Nachteile, wie höhere Versorgung mit Omega-6 Fettsäuren, mehr tierischen Fett etc. entweder nicht so negativ sind wie oft angenommen oder kompensiert werden durch Nachteile wie der Unterversorgung mit anderen essentiellen Inhaltsstoffen.

Zu beobachten ist jedoch häufiger, dass sich Vegetarier mehr mit der Ernährung auseinandersetzen und sich bewusster ernähren, als nicht-Vegetarier. Tierisches Fleisch besitzt im Wesentlichen die gleiche Zusammensetzung wie der menschlichen Muskel. Damit dient der Verzehr von tierischem Fleisch nicht nur als „Brennstoff“ sondern auch als Baumaterial für den Körper. Wenn vegetarisch sein heißt, gezielt die notwenigen Nährstoffe aus Fleisch durch die Verzehr von den richtigen Pflanzenstoffen auszugleichen, können Vegetarier gesünder leben, als nicht-Vegetarier. Wenn vegetarische Ernährung jedoch nur heißt, das Fleisch in der Ernährung wegzulassen, riskieren Vegetarier ungesünder zu leben. Besonders bei Jugendlichen ist darauf zu achten, dass vegetarische Diäten sich nicht in Richtung einer Essstörung entwickeln (Amit, 2010).

Dr. Jens Pohl Autor: Jens

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